Bietigheim-Bissingen, 02. APRIL 2008
"Das Fundament ist gelegt"Für Brittig war erste Saison als Cheftrainer ein Lernprozess, bei dem alles drin war
Mit der unglücklichen 1:2-Niederlage im fünften Play-off-Viertelfinalspiel ging für die Steelers vergangenen Freitag die Saison 07/08 zu Ende und für Christian Brittig seine erste als Cheftrainer.
Erfolgreiches Duo: Steelers-Trainer Christian Brittig (links) hat in seiner ersten Saison als Cheftrainer die Steelers auf den richtigen Weg geführt. Dabei hat ihm Sportdirektor Michael Komma den Rücken frei gehalten. Foto: Avanti
"Eine Supererfahrung. Es war ein Lernprozess, bei dem alles drin war", sagt Christian Brittig auf die Frage, wie er insgesamt seine erste Saison als Cheftrainer erlebt hat, dies bekanntlich in der 2. Eishockey Bundesliga bei den Steelers des SC Bietigheim-Bissingen.
Mit der Aufgabe und Zielsetzung angetreten, nach dem vor allem desolaten Vorjahr und mit einem nun verringerten Etat jetzt eine Mannschaft aufzubauen, die vor allem auch als Mannschaft auftritt, hat Brittig mindestens dieses sehr gut umgesetzt. Dabei sah sich der am vergangenen Donnerstag 42 Jahre alt gewordene gebürtige Landshuter von Amtsantritt weg auch mit ungeahnten Schwierigkeiten konfrontiert. "Teile des Umfelds haben mich von Anfang an belauert und nie richtig getraut. Wenn auch die Ergebnisse und Platzierungen gestimmt haben, einige waren immer skeptisch, nie richtig zufrieden. Als wir Ende Januar dann sogar drauf und dran waren, um Platz vier mitzuspielen, hat sich erstmals größere positive Stimmung breit gemacht. Letztlich war aber immer irgendwie eine negative Strömung zu spüren. So etwas habe ich in dieser Form noch an keinem anderen Eishockey-Standort erlebt."
Als dann Ende Januar Justin Kelly und Alexandre Jacques lange ausfielen, und nicht zu vergessen zuvor auch schon Max Seyller verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stand, zudem Patrick Grandmaitre völlig überraschend aus eigenen Stücken die Steelers verließ, konnte der SC trotz Nachverpflichtungen (Washburn, Hinks) das Niveau nicht mehr halten und sackte tierisch ab, wenn auch die Play-off-Ränge nie verlassen wurden.
"Da ist dann das Stimmungsbarometer schlagartig nach unten gesunken. Ich hatte fast den Eindruck, der ein oder andere hat nur darauf gewartet, das es Berg ab geht, damit er dann auf dem Brittig so richtig rumhauen kann." Allerdings: "Natürlich haben wir in dieser schwierigen Phase im Februar und März vor allem zuhause einfach auch schlecht gespielt, und die Verärgerung der Fans kann ich für diesen Zeitraum auch verstehen. Aber wir waren selbst da immer in den Play-off-Rängen, weil wir uns zuvor so ein tolles Polster erarbeitet hatten. Und mit Letzterem hat doch vor der Saison bestimmt keiner ernsthaft gerechnet." Trotz aller Widrigkeiten, eins hat Brittig nie getan - ans Aufhören gedacht. "Speziell in der Phase als die Brittig-Raus-Rufe da waren, habe ich mir gesagt, jetzt erst recht, ich ziehe das durch und wir kommen da wieder raus. Ich habe hier noch etwas vor und bin kein Typ, der Trainer macht, nur damit ich einen Posten habe. Ich habe Ideen, und ein Konzept. Und wir sind auf einem guten Weg, davon bin ich überzeugt. Das Fundament ist gelegt."
Dass Christian Brittig so viel gar nicht falsch gemacht haben kann oder besser gesagt, im Grunde alles richtig gemacht hat, zeigt auch die Tatsache, dass trotz absoluter mangelnder Klasse beim Tore schießen, die Play-offs erreicht wurden. "Wir haben die drittwenigsten Tore der Liga erzielt. Das passt ja mit Play-off normal gar nicht zusammen. Aber, dass die Mannschaft wirklich auch eine war, zeigt, dass wir bis Ende Januar mit die beste Defensive hatten. Das geht nur, wenn das Team funktioniert und alle an einem Strang ziehen. Für die Offensive hatten wir einfach nicht die notwendige Qualität. Dafür haben aber auch die nötigen Mittel gefehlt."
Letztlich hat die Mannschaft beim Aus im Play-off-Viertelfinale noch einmal gezeigt, was ihn ihr steckt. Trotz 0:3-Rückstand nach Spielen und dabei einem 0:5-Debakel im ersten Heimspiel, haben sich die Steelers nicht einfach so rausballern lassen. Beim 3:1-Heimsieg im vierten Spiel und bei der 1:2-Niederlage nach Verlängerung im fünften in Landshut haben die Brittig-Schützlinge großen Charakter bewiesen.
"Wir hatten im fünften Spiel den Sieg vor Augen und eigentlich auch verdient. Aber wir und Tore schießen in dieser Saison, dazu muss ich ja nichts mehr sagen", erklärt Brittig. Dabei hat er letztlich aber vor allem aber ein Bild vom fünften Spiel immer wieder vor Augen. "Die Halle war nach Spielende bereits so gut wie leer. Unsere rund 150 mitgereisten Anhänger haben ihr Team gefeiert und gefeiert als wären wir gerade weiter gekommen. Das hat mich stolz gemacht. Überhaupt muss ich sagen, dass wir auswärts immer eine tolle Unterstützung hatten."
Was nun die Zukunft, die kommende Saison angeht, sieht Brittig ihr "absolut positiv" entgegen. "Wir haben das Herzstück unserer Mannschaft wie geplant zusammenhalten können. Unsere Neuzugänge müssten die Qualität insgesamt steigern. Mein Ziel ist es, die spielerische Klasse, vor allem was den Aufbau aus der Abwehr angeht, und das Powerplay zu verbessern. Und ich möchte in der kommenden Saison den ein oder anderen Tabellenplatz nach oben klettern." Dabei warnt Brittig aber auch vor überzogenen Erwartungen. "Es wäre fatal, zu denken, dass die dann neu formierte Mannschaft quasi automatisch vorne mitspielen muss. Zunächst einmal müssen wir, wie in der abgelaufenen Saison, die Grundvoraussetzungen schaffen, die Mannschaft körperlich top fit kriegen und ein Team kreieren. Dann werden wir Schritt für Schritt weiter sehen. Individuelle Qualität alleine reicht jedenfalls nicht."
Was die Planungen für die kommende Spielzeit angeht, schwebt Brittig auch vor, von Beginn an mit vier Sturmreihen zu spielen. "Ich will die Anteile insgesamt mehr verteilen, besonders im Unterzahlspiel."
Nachdem mit Verteidiger Andreas Geipel (Landshut, siehe auch neben stehenden Bericht) der erste Neuzugang nun auch offiziell vom SC Bietigheim-Bissingen bestätigt wurde, zudem Torhüter Sinisa Martinovic (Crimmitschau), die aus der DEL kommenden Verteidiger Doug Andress (Krefeld Pinguine) und Stephan Robitaille (Hannover Scorpions) und Stürmer Greg Schmidt (Straubing Tigers) als sicher gelten, haben die Steelers mit Andrej Kaufmann vom Ligarivalen Tower Stars Ravensburg scheinbar auch einen interessanten Stürmer mit deutschem Pass an der Angel.
Fehlt also noch ein deutscher Stürmer und ein ausländischer. In letzterer Angelegenheit ist Christian Brittig diese Woche in Sachen Spielerbeobachtung unterwegs.
VON ANDREAS KLEINERT
Quelle. BZ