EISHOCKEY / DIE STEELERS IN EINER GANZ SCHWIERIGEN, ABER NICHT SELBER VERSCHULDETEN SITUATION
Fortsetzung der Überraschung ist gefährdet
Play-off-Teilnahme unerwartet schon frühzeitig so gut wie sicher - Was aber folgt nach vielen Verletzten?
Es ist im Grunde eine Riesen-Überraschung. Bereits zehn Spieltage vor Ende der Doppelrunde 07/08 der 2. Bundesliga hat der SC Bietigheim-Bissingen die Fahrkarte für die Play-offs so gut wie in der Tasche. Aber ausgerechnet jetzt droht ein sportlicher Bruch, für den niemand etwas kann.

Alexander Serikow, der hier an Regensburgs Torhüter Couture scheitert, ist derzeit der einzig "Überlebende" der unlängst noch so erfolgreichen Steelers-Sturmreihe mit Kelly und Jacques. Letzter kommt vielleicht in zwei Wochen wieder hinzu. FOTO: AVANTI
Nach der völlig verkorksten Saison 06/07 - die Play-offs wurden verpasst - haben die Steelers Konsequenzen gezogen. Die sportliche Leitung wurde Sportdirektor Michael Komma und dem neuen Trainer Christian Brittig auferlegt, ansonsten hat in diesem Punkt niemand mehr mitzureden. Eine gute Entscheidung. Komma und Brittig stellten eine fast neue Mannschaft zusammen und hatten klare Vorstellungen, wie diese auszusehen hat. Vor allem Charakterstärke war hier gefragt. Es geht um Mannschaftssport, also sind auch Teamplayer gefragt. Dazu setzte Brittig für den SC neue Maßstäbe in Punkto Vorbereitung, hat seine Mannschaft konditionell zur vielleicht stärksten der Liga gemacht. Stars gab es von Beginn an keine. Ein Spiel-System, das enorme Lauf- und Kampfbereitschaft fordert, hat sich bis heute bewährt, Erfolg gebracht. Mit 19 Punkten Vorsprung auf Platz neun hat der SC bereits zehn Spieltage vor Ende der Doppelrunde die Play-off-Teilnahme so gut wie sicher. Hatte der Mannschaft vor der Saison wohl kaum einer zugetraut.
Weil von Saisonbeginn an immer wieder Spieler verletzungsbedingt längere Zeit ausfielen und hier und da doch ein Tüpfelchen an spielerischer Klasse vermisst wurde, legte der SC nach. Mit Justin Kelly kam Anfang Oktopber ein Stürmer, der mehr und mehr zur herausragenden Figur bei den Steelers wurde. Beim kürzlich erzielten 4:2-Heimsieg gegen Schwenningen wurde Kelly aber an der rechten Schulter schwer verletzt und fällt aller Voraussicht für den Rest der Saison aus. Wenn auch Brittig "die ganz ganz leise Hoffnung" hat, dass Kelly in den Play-offs doch spielen kann.
Aber nicht nur Kelly fehlt derzeit, auch Sturmpartner Alexandre Jacques musste die letzten drei Spiele passen (Leiste und Muskelfaserriss). Wenns besonders gut läuft, ist "Alexanderle", wie ihn die Fans nennen, am Wochenende 15./17. Februar wieder im Einsatz. Dann soll auch Stürmer Max Seyller wieder mit von der Partie sein, der dann fast zwei Monate außer Gefecht war. Nur gut, dass am kommenden Wochenende Spielpause in der 2. Liga ist.
Durch die neuerlich vielen Verletzten waren die SC-Verantwortlichen nun gezwungen, nachzulegen. Steve Washburn und Rod Hinks wurden geholt. Erfahrene Leute, die Eishockey spielen können. Aber physisch nicht auf dem von Brittig gewünschten Niveau stehen. Die Aufgabe im System scheint zumindest Washburn aber immerhin schnell zu verinnerlichen. "Es war bei ihm in jedem Spiel bezüglich des Systems eine Steigerung erkennbar", erklärt Brittig.
Der SC-Trainer ist sich aber auch bewusst: "Es ist eine ganz ganz schwierige Situation. Ich kann Washburn und Hinks jetzt nicht einem harten Training unterziehen, damit sie körperlich auf das Niveau des Teams kommen. Dann sind die beiden Jungs in den Spielen zu nichts zu gebrauchen. Es wird darauf hinauslaufen, sie dahin zu bringen, noch etwas intensiver agieren zu können, aber vor allem auch ihre individuellen Stärken so zum Tragen zu bringen, dass sie der Mannschaft helfen können." Und Brittig fügt hinzu: "Kelly zu ersetzen ist unmöglich. Aber wenn es gelingt, das, was die sozusagen jetzt neue Mannschaft gegen Essen und Regensburg gezeigt hat, noch um 20 Prozent zu steigern und jeder Einzelne im Team vor allem das macht, was er kann und für die Mannschaft tun soll, dann denke ich, kommen wir in die Nähe dessen, was wir zuletzt vor den Verletzungen von Kelly und Jacques gezeigt haben. Und dann werden wir auch in den Play-offs eine schwer zu knackende Nuss sein. Dafür bin ich zuständig, dieses zu schaffen."
In letzterer Aussage steckt auch eine Erkenntnis aus den letzten Spielen. Denn der ein oder andere SC-Akteur hat zuletzt entweder Konzentrationsmängel erkennen lassen oder aber will plötzlich mit spielerischen Elementen die 60 Minuten beleben. Wo er vorher und bisher konsequent auf Puckeroberung und letztliche Klärung der Situation, sei es, dass der Puck aus dem eigenen Drittel befördert wird, seine Aufgabe bestens gelöst hat. Die nun vermeintlich besser anzusehende Variante endet oft mit Puckverlusten im eigenen Drittel und großer Gefahr für den eigenen Kasten. In Anbetracht der Tatsache, dass die Steelers sich mit dem Tore schießen etwas schwerer tun als die meisten ihrer Ligarivalen, sollten also die Gegentreffer auf ein Minimum beschränkt werden. Was bisher alles in allem ja auch sehr gut funktioniert hat. Aber auch dafür ist Brittig zuständig. Spieler, die den erfolgreichen Weg verlassen wollen, wieder auf selbigen zurückzuführen.
Der 25. April
Wohin der Steelers-Weg in den kommenden Wochen auch immer führen mag, eine Terminproblematik entsteht, wenn Smazal und Co. das Play-off-Finale erreichen und es hier zum alles entscheidenden fünften Spiel kommen sollte. Denn dieses ist auf den 25. April 2008 terminiert. An diesem Freitag findet nun aber auf jeden Fall in der Ellental-Eisarena das Länderspiel Deutschland - Dänemark statt, das den Gastgebern als letzten Test vor der Weltmeisterschaft in Kanada dient. Gemanagt hat dies SC-Geschäftsführer Volker Schnabel, eine an sich tolle Geschichte.
Als der SC per Presseverlautbarung diesen WM-Test verkündete, wurde der Play-off-Termin allerdings gar nicht erwähnt. Traut man auf der Geschäftsstelle den eigenen Akteuren womöglich das Finale gar nicht zu? "Um Gottes Willen. Natürlich trauen wir unseren Jungs alles zu. Wir wollten nur nicht schon vorher die Pferde scheu machen. Aber es ist mit DEB und ESBG abgesprochen, sollte es ein fünftes Finalspiel mit unserer Beteiligung geben, dass dieses fünfte Spiel verlegt wird. Voraussichtlich auf den folgenden Samstag", erklärt Schnabel. Schriftlich sei aber nichts fixiert, dies alles seien mündliche Absprachen, so der SC-Geschäftsführer.
VON ANDREAS KLEINERT
Quelle: Bietigheimer zeitung

