Bietigheim-Bissingen, 08. MÄRZ 2008
Unter Buh-Rufen ins Ziel
Trotz 0:4 gegen Bremerhaven haben Steelers Play-offs sicher - SC-Fans äußern Unmut
Das Beste Vorweg: Die Steelers haben die Play-offs sicher. Doch nach dem gestrigen 0:4 (0:2, 0:0, 0:2) vor rund 1 200 Zuschauern im Heimspiel gegen den REV Bremerhaven ist diese Tatsache wie purer Hohn.
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Bremerhavens Keeper Alfie Michaud war gestern für die Steelers ein unüberwindliches Hinderniss. Dagegen boten die SC-Cracks den Fishtown Pinguins genügend Lücken, um gleich vier Tore zu erzielen. Foto: Jens Christ
Der Hoffnungsträger ist zurück. Aber im falle der Steelers heißt es jetzt nur noch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und dabei war Justin Kelly gestern bei seinem Comeback nach siebenwöchiger Verletzungspause gleich noch bester Steelers-Spieler. Doch das alleine reichte bei weitem nicht. Platt wie die Flundern oder wie Trainer Christian Brittig anschließend meinte "der Akku ist leer", präsentierten sich die Cracks des SC Bietigheim-Bissingen gegen den Vorletzten REV Bremerhaven und kassierten beim letztlichen 0:4 gegen die Fishtown Pinguins die vierte Heimniederlage in Folge. Dabei schlug die ohnehin in den letzten Wochen angespannte Stimmung im SC-Fanlager im Schlussdrittel endgültig in totalen Frust um. "Wir haben die Schnauze voll" und kurz darauf "Brittig raus"-Rufe hallten durch die Ellental-Eishalle.
"Ich kann die Fans verstehen. Unsere Anhänger wurden in den letzten Wochen zuhause nicht verwöhnt. Aber ich bin angetreten, um die Play-offs zu erreichen, und das haben wir nun bereits am drittletzten Spieltag geschafft. In der vergangenen Saison war hier eine andere, vermeintlich viel bessere Mannschaft aufgeboten, die das Finale als Ziel hatte, Damals gab es nicht mal Play-offs", erklärt Brittig. Dass die Steelers trotz neuerlicher Niederlage die Play-offs sicher haben, lag daran, dass der bis dahin Neunte München nur zwei statt notwendiger drei Punkte holte, um noch eine Chance zu haben, die Steelers zu verdrängen. Bietigheim hat nun, bei noch drei Spielen, zehn Punkte Vorsprung auf Platz neun und kann nicht mehr verdrängt werden.
Was die letzten Spiele der Doppelrunde angeht, erklärt Brittig: "Die nächsten zwei Wochen werden zur Regeneration der Mannschaft genutzt, damit wir in den Play-offs wieder frisch sind. Und dann wollen wir mal sehen, was rauskommt." Wobei natürlich Voraussetzung ist, so Brittig, das er weiter machen kann, dies aber natürlich nicht in seiner Macht läge.
Klar ist, jetzt wird sich zeigen, wie stabil der SC Bietigheim-Bissingen mittlerweile intern geworden ist. Im ersten kleineren Sturm gleich einzuknicken und sich von Brittig im Hau-Ruck-Verfahren zu trennen, wäre sicher völlig überzogen und vor allem falsch. Denn bis Ende Januar hat die Mannschaft vor allem als Team überzeugt, hatte nach dem 20. Januar sogar sage und schreibe 17 Punkte Vorsprung auf Platz neun und Tuchfühlung zu den ersten vier Plätzen. Da kann wohl kaum alles falsch gewesen sein, was der Trainer bis dahin getan hat. Und eine Vielzahl von Spielern hat bereits verlängert, in dem Wissen, dass Brittig weiterhin ihr Trainer sein wird. Der Auslöser der Talfahrt war die verletzungsbedingte Sprengung der ersten Reihe. Kelly und Jacques fehlten lange.
Gestern nun spielten die Steelers sozusagen wieder in Stammbesetzung, aber eben auch, wie im Grunde in dieser Saison zuhause noch nicht erlebt, fast ohne jegliche Aggressivität, waren meist einen Schritt langsamer. Von Kompaktheit im Vorwärts- wie Rückwärtsgang, der Stärke der Mannschaft, war nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Und dann wurden die Steelers hinten ausgespielt als wären sie feststehende Slalomstangen. Beim 0:1 nach 12:41 Minuten durch Kurt Mac Sweyn waren die Gäste in Überzahl und hatten diesen Treffer sehenswert rausgespielt. Allerdings fehlte dem Penaltykilling der Steelers auch hier jegliche Aggressivität, die REV-Cracks konnten sich unbedrängt bis vors Tor spielen und schließlich vollenden.
Keine Minute später (13:19) spazierten die Gäste erneut durch die SC-Defensive - dieses Mal bei fünf gegen fünf - Dejdar erzielte das 0:2. Nachdem das Mitteldrittel ohne Tore über die Bühne gegangen war, gab es von den Fishtown Pinguins im Schlussdrittel einen weiteren Doppelschlag. Erst traf Holzmann zum 0:3 (53:12), dann Janzen zum 0:4 (56:06). Jetzt hatte die SC-Fangemeinde endgültig "die Schnauze voll". Hätte SC-Keeper Koslow nicht so gut gehalten, die Pleite wäre noch höher ausgefallen. Dabei hätten die Steelers durchaus auch den ein oder anderen Treffer erzielen können, ja müssen. Denn auch der SC hatte, bei allem was nicht funktionierte, vier hochkarätige Chancen. Doch passend zum gestrigen Ganzen und den letzten Heimspielen insgesamt, versagten entweder die Nerven oder aber zeigte sich REV-Keeper Michaud als wahrer Hexer. Wie in der 27. Minute, als binnen zehn Sekunden erst Jacques, dann Kelly und zuletzt Serikow am Gästetorhüter scheiterten.
Kommenden Sonntag gehts zu den Landshut Cannibals. Dann will Brittig mit vier Sturmreihen spielen, um Kraft zu sparen. Bleibt zu hoffen, dass die Cannibals nicht Hackfleisch aus den Steelers machen.
VON ANDREAS KLEINERT
Quelle: Bietigheimer Zeitung

