Eine WM voller Desaster
Deutscher Eishockey-Bund gerät immer stärker in die Kritik
Erst der Fall Busch, dann der Fauxpas mit dem nicht spielberechtigten Jason Holland und die Pleite gegen Norwegen: Für den Deutschen Eishockey-Bund wird die WM in Kanada zu einem desaströsen Auftritt.
Sinnbildlich: Die deutsche Nationalmannschaft - hinten Michael Bakos - kommt bei der WM nicht auf die Beine. Foto: dpa
Der Einzug des deutschen Eishockey-Nationalteams in die WM-Zwischenrunde und der damit verbundene Klassenerhalt ist das einzig Positive der vergangenen Tage. Nach dem blamablen 2:3 (1:0, 1:1, 0:2) gegen Norwegen nahmen die Deutschen keine Punkte mit in die Zwischenrunde, was wiederum das Viertelfinale und gar die Olympiaqualifikation in weite Ferne rücken lassen. Dabei konnte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) noch froh sein, nach dem unerlaubten Einsatz von Jason Holland in den ersten zwei Spielen keine Punkte abgezogen bekommen zu haben, was die Play-downs bedeutet hätte.
Schlussendlich sitzt auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) dem DEB weiterhin im Nacken und schließt weitere Maßnahmen gegen Florian Busch nicht aus. Der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne ist denkbar, nachdem der Profi der Eisbären Berlin nach seinem verweigerten Doping-Test vom Internationalen Eishockey-Verband die Spielgenehmigung bekommen hatte. "Die Wada wird die Entscheidung des Weltverbandes IIHF bewerten und entscheiden, ob sie nachfolgende Maßnahmen einleitet oder nicht", teilte die Wada mit.
Aus Sicht des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) können sowohl die Wada als auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) zuerst in Deutschland Rechtsmittel einlegen, was der Verband zur Klärung sogar befürwortet. Artikel 13 des Nada-Codes sehe den Gang vor das neue nationale Sportschiedsgericht oder das ad-hoc-Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor. "Wir wissen nicht, warum Nada und Wada das nicht gemacht haben", sagte DEB-Vizepräsident Uwe Harnos. Die Wada sei inzwischen schriftlich informiert worden.
Die Fälle Busch und Holland haben Misstöne in Deutschland laut werden lassen. "Holland war das i-Tüpfelchen. Das passt in das desaströse Bild, was der DEB gerade abgibt", sagte Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie. DEB-Sportdirektor Franz Reindl hatte die Verantwortung für den Fall Holland übernommen und räumte zunächst Rücktrittsgedanken ein.
Eichin wollte ihn aber nicht als Alleinschuldigen ausmachen. "Ich halte ihn für einen fähigen Mann. Ich glaube, dass er in vielen Dingen alleingelassen wird. Es wäre fatal, Reindl alles zuzuschreiben", sagte Eichin, der auch den DEB-Präsidenten Hans-Ulrich Esken und Vize Harnos in der Verantwortung sieht. Mit Konsequenzen rechnet aber so gut wie keiner. "Die wird es beim DEB nie geben. Die sind zu verwurzelt", sagte der ehemalige Top-Torjäger Dieter Hegen. dpa
Quelle: http://www.bietigheimer-zeitung.de

