Mit Frust zurück in Heimat
Christoph Schubert: Eishockey-WM war eine große Enttäuschung
Nach den Chaos-Tagen in Halifax gab es durch den 5:3-Erfolg gegen Lettland wenigstens noch einen versöhnlichen WM-Abschluss für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Doch der Frust sitzt tief.
Auch das 5:3 gegen Lettland stimmte die DEB-Auswahl - im Bild Frank Hördler (links) und Torhüter Dimitrij Pätzold - nach der Pannen-WM nicht versöhnlich. Foto: dpa
Als die deutschen Eishockey-Nationalspieler in Halifax in den Flieger Richtung Heimat stiegen, hatten sie viel Frust und eine neue Erfahrung im Gepäck. "In den letzten beiden Jahren sind wir relativ geschmeidig durch die Turniere gegangen und haben uns konstant weiter nach oben gearbeitet. Diesmal war es holprig", bilanzierte Bundestrainer Uwe Krupp nach dem 5:3 (1:1, 1: 2, 3:0)-Sieg zum WM-Abschluss gegen Lettland und Platz zehn in der Endabrechnung: "Aber du musst auch die eine oder andere schmerzhafte Erfahrung machen, um besser zu werden."
Den Schmerz über die leichtfertig verspielte Viertelfinalchance konnte allerdings auch das versöhnliche Ende nicht betäuben. "Die WM war eine große Enttäuschung", meinte NHL-Profi Christoph Schubert, und Verteidiger Andreas Renz ergänzte: "Wir haben es selbst vergeigt." Am Ende entschied die 2:3-Vorrundenpleite gegen Norwegen, wegen der die deutsche Auswahl ohne Punkte in die Zwischenrunde ging. "Hätten wir da gewonnen, wären wir jetzt im Viertelfinale", lamentierte Schubert.
Als alles vorbei war, gaben die Spieler erstmals zu, dass der Wirbel um den Fall Florian Busch und die fehlende Spielberechtigung für Jason Holland sowie der Krach mit den eigenen Fans sie auf dem Eis nicht unberührt gelassen hatten. "Vielleicht haben wir uns beeinflussen lassen, das war nicht so toll für uns", sagte Renz.
Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), gestand den Spielern wegen der äußeren Einflüsse mildernde Umstände zu: "Natürlich ist es mental schwer, wenn Probleme außerhalb des Eises in der Luft liegen." Für Bundestrainer Krupp war aber wichtig zu sehen, dass sein Team "mit Willensstärke" im letzten Spiel den Abwärtstrend stoppte: "Die Jungs haben gezeigt, aus welchem Holz sie geschnitzt sind." Der frühere NHL-Profi betonte, dass er zumindest bis zur Heim-WM 2010 im Amt bleiben wolle: "Auch ein Angebot aus der NHL würde keinen Strich durch die Rechnung machen. Wenn ich sage, ich mache es, dann mache ich es auch."
Der Erfolg gegen die Letten war aber nicht nur ein wichtiger Entwicklungsschritt für Krupps Team. Er hatte vielmehr auch ganz konkrete Folgen. Als WM-Zehnter schloss die DEB-Auswahl das Turnier zwar einen Platz schlechter ab als im Vorjahr, zog in der Weltrangliste aber an den Letten vorbei auf Rang zehn.
Damit ist bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr Aufsteiger Österreich der Vorrundengegner, außerdem WM-Gastgeber Schweiz, falls er wie erwartet heute im Viertelfinale gegen den Gold-Anwärter Russland ausscheidet. Bei einer Niederlage hätten erneut Norwegen sowie zwei der großen Sechs gedroht. "Wir haben noch mal den Kopf aus der Schlinge gezogen", meinte Renz. Auch die Olympia-Qualifikation, die die deutsche Mannschaft im Februar 2009 in Mannheim bestreitet, ist mit Absteiger Slowenien, Österreich und einem Qualifikanten nicht übermäßig stark besetzt. sid
Quelle: http://www.bietigheimer-zeitung.de

