Zurück zur Leidenschaft
Steelers-Trainer Brittig fordert vor Heimspiel gegen München alte Tugenden
Vor dem Heimspiel heute gegen München (20.00 Uhr) und der Partie am Sonntag beim SC Riessersee (18.00 Uhr) entspannt sich die personelle Lage bei den Steelers. Trainer Brittig fordert wieder Leidenschaft.

Als laufbereites, leidenschaftliches Kollektiv auftreten und gemeinsam jubeln: So wünscht sich Steelers-Trainer Christian Brittig seine Mannschaft. Hier freuen sich (v.l.) Rod Hinks, Dirk Wrobel und Steve Washburn. Foto: Jens Christ
Wenn es um den sportlichen Erfolg der Mannschaft geht, nimmt Steelers-Trainer Christian Brittig keine Rücksicht auf Namen. Die von ihm nach der 1:7-Heimpleite am Sonntag gegen Ravensburg angekündigten personellen Konsequenzen zieht er knallhart durch. Schon heute gegen den EHC München. "Ich muss reagieren. Marcel Neumann wird auf alle Fälle spielen, er hat immer viel Energie reingebracht. Diese Jungs brauche ich", setzt der Coach auf den jungen Verteidiger, der zuletzt wegen anstehender Prüfungen für den Ausbildungsabschluss etwas kürzer treten musste. Das bedeutet für einen der bislang gesetzten sechs Verteidiger das harte Holz der Spielerbank. Wen es treffen wird, wollte der Trainer im Vorfeld nicht verraten. War es bislang vorrangig die Offensive, die Sorgen - vor allem auch wegen der verletzungsbedingten Ausfälle - bereitete, so patzte gegen Ravensburg in ungewohnter Häufigkeit die Verteidigung.
Im Sturm wird es auch Änderungen geben, nach und nach kehren die lange vermissten Spieler aufs Eis zurück. "Ich hoffe, dass er spielen kann", freut sich Trainer Brittig auf Alexandre Jacques, der seit Dienstag wieder im Mannschaftstraining dabei ist. Und auch Max Seyller, der am Mittwoch eine ärztliche Abschlussuntersuchung nach seinem Handbruch hatte, könnte ins Aufgebot rutschen. Bei ihm ist Brittig aber noch skeptisch. Gehen wird es auch wieder bei Matthias Hart, der seine Nebenhöhlenentzündung auskuriert hat, der ebenfalls erkrankte Florian Jung hat nach seinem Einsatz am Sonntag einen Rückschlag erlitten, ist heute aber auch wieder dabei. Damit würde nur noch Justin Kelly fehlen.
Mit der Entspannung der personellen Lage einher geht für Christian Brittig die Hoffnung auf eine grundsätzliche Entwicklung in den Köpfen vieler Spieler: "Wir müssen so schnell wie möglich wieder zu unseren Stärken finden: Kompakt und im System spielen, laufen, kämpfen. Das hat funktioniert und dahin müssen wir schnell wieder hin. Kontinuierlich Leidenschaft und Entschlossenheit reinbringen - das ist mein Ansatz für das heutige Spiel." Brittig hat schon länger Tendenzen beobachtet, dass es der eine oder andere Spieler - vorzugsweise in Heimspielen - etwas zu leicht genommen, vielleicht die Verletztenmisere auch als Alibi hinzugezogen hat. Erstmals gegen Kassel, auch gegen Essen und dann mit dem negativen Höhepunkt gegen Ravensburg: "Das ist ein schleichender Prozess. Es wurde nur noch mit der Scheibe gearbeitet, hinten haben sie es schleifen lassen, es wurde vor allem nach hinten zu wenig Laufarbeit geleistet." Es ärgert Brittig, dass es auch anders geht, trotz der Ausfälle: "In Ravensburg haben wir mit einem Minikader noch gewonnen, in Kassel am Freitag haben wir auch unser anderes Gesicht gezeigt." Zumindest als eine Erklärung sieht auch Brittig das Fehlen wichtiger Spieler, als Entschuldigung würde er es nie gelten lasse: "Seit Kelly und Jacques weg sind haben wir nur zwei Spiele gewonnen." Hinzu kommt noch, dass gerade in der Phase, als der bis dahin glänzend harmonierende erste Sturm weggebrochen ist, mit Rod Hinks und Steve Washburn zwei Spieler in die Mannschaft und ins System zu integrieren waren. Dass sich der Kader stetig wieder füllt und damit der Konkurrenzkampf entbrennt, zudem Vertragsgespräche anstehen, könnte für den ehrgeizigen Coach die Arbeit leichter machen, seine Mannschaft wieder auf deren ureigene Stärken einzuschwören.
Der EHC München braucht acht Spieltage vor Beendigung der Hauptrunde jeden Punkt, um im Kampf um Platz acht die Überflieger aus Ravensburg noch abzufangen und gleichzeitig die hartnäckigen Verfolger auf Distanz zu halten. Fünf Teams spielen noch um den einen Platz in den Play-Offs, nachdem die ersten sieben so gut wie vergeben sind. Die Münchner Cracks haben einen deutlichen Aufwärtstrend zu verzeichnen, fertigten am Wochenende Landsberg und Regensburg ab. Unter dem neuen Trainer Pat Cortina feierten sie in sechs Spielen fünf Siege. Cortina hat seinem Team vor allem konzentriertes und diszipliniertes Abwehrverhalten beigebracht. Vorne sorgen meist Kompon und Rautert für die Tore. Nachdem es für den EHC lange nach den Play-Downs ausgesehen hatte, hat das Team nun sogar wieder die Play-Offs im Blick.
VON CLAUS PFITZER
Quelle: Bietigheimer Zeitung

