"Wovor Angst haben?"
Steelers-Trainer Brittig setzt auf eigene Stärken und positive Stimmung
Nach vier Niederlagen in Folge wollen die Steelers heute (19.30 Uhr) bei den Lausitzer Füchsen wieder in die Erfolgsspur zurückkehren. Am Sonntag (18.30 Uhr) kommt dann der ETC Crimmitschau.

Verteidiger Timo Kesa (rechts), der hier an Münchens Keeper Jochen Vollmer scheitert, wird den Steelers heute in Weißwasser auf Grund einer Spieldauerdsiziplinarstrafe fehlen. Foto: Avanti
Noch sechs Spieltage, dann ist die Doppelrunde der 2. Eishockey Bundesliga 2007/2008 Geschichte, es folgen die mit viel Spannung erwarteten Play-offs. In denen werden dieses Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach auch wieder die Steelers des SC Bietigheim-Bissingen mit von der Partie sein, was vor der Saison und nach einem großen Umbruch keineswegs selbstverständlich war. In der vergangenen Spielzeit hingegen wurde das Finale als Ziel ausgegeben, doch kamen die Steelers erst gar nicht in die Play-offs.
Jetzt haben die Jungs von Trainer Christian Brittig das Tor zu den Play-offs sperrangelweit offen. Und das, obwohl sie zuletzt vier Niederlagen in Folge kassierten. Mit 71 Punkten derzeit auf Platz sieben, haben Kapitän Heiko Smazal und seine Jungs von einst 19 Zählern immer noch zehn Vorsprung auf Platz neun. Wer darauf vor der Saison gewettet hätte, wäre wohl belächelt worden. Und, dass es derzeit nicht so rund läuft, hat in erster Linie mit vielen Verletzten über einen längeren Zeitraum zu tun. Man denke nur daran, wie lange es gedauert hat, bis sich die Sturmreihe Serikow/Kelly/Jacques auf hohem Niveau gefunden hat, und kaum, dass dies geschehen, verletzungsbedingt komplett gesprengt wurde.
Christian Brittig blickt nun aber nicht zurück, sondern nur noch nach vorne und ist absolut optimistisch für die letzten sechs Spiele. "Wovor sollen wird Angst haben? Selbst, wenn alles schief laufen sollte, wird uns keiner einsperren oder gar töten. Wir wissen, wie die Situation ist, und wir wissen, was wir können. Wir werden nach Weißwasser fahren und da von der ersten Minute an Vollgas geben, nicht abwarten." Nicht mit dabei sein werden Kesa (gesperrt) und Kelly (verletzt).
Von den zuletzt vier Niederlagen in Folge, so Brittig, seien drei mit einem Tor Unterschied gewesen - wenn man das letztliche 3:5 in Garmisch per empty net nicht mit zählt - nur die Partie gegen Ravensburg (1:7) sei jenseits von Gut und Böse gewesen. "Wir haben in Kassel ein starkes Spiel gemacht und sind gegen München in aller erster Linie daran gescheitert, dass wir zahlreiche Chancen nicht in einen Treffer ummünzen konnten. Aber es war beileibe nicht alles schlecht in den letzten vier Spielen, da war auch viel Positives", versucht Brittig den Seinen Mut zu machen.
Um seine Jungs so richtig einzustimmen, hat Brittig ihnen gestern im Abschlusstraining noch einige Videos mit den besten Szenen, was Forechecking, Aggressivität und Chancenverwertung angeht, aus den vergangenen Monaten gezeigt.
Im Steelers-Tor wird an diesem Wochenende Patrick Koslow stehen. Dabei kommt es am Sonntag, im Heimspiel gegen den derzeit Tabellenachten ETC Crimmitschau (62), auch zum Duell mit seinem möglicherweise künftigen Teamkollegen und Konkurrenten Sinisa Martinovic. Letzterer wird heiß gehandelt als Nachfolger für den bisher zweiten Steelers-Torhüter Marko Suvelo, den es angeblich zu den Tower Stars des EV Ravensburg zieht.
Während für die momentan auf Platz zwölf stehenden Lausitzer Füchse (52) das Erreichen der Play-offs wohl gegessen ist, es viel mehr um den Klassenerhalt geht, gastiert mit den Eispiraten aus Crimmitschau ein Team im Ellental, das ganz nah an einer großen Überraschung ist. Denn in den Play-offs hat den ETC wohl kaum einer erwartet. "Es ist völlig egal, gegen wen wir jetzt spielen und wie gut der jeweilige Gegner derzeit drauf ist oder um was es für ihn geht. In dieser Saisonphase kämpfen alle um irgendetwas. Wir schauen nach uns, werfen unsere Stärken in die Waagschale und wenn wir das richtig machen, ist es für jeden schwer gegen uns", will Brittig, dass sich sein Team nur auf sich konzentriert.
Dass die Steelers sich mit der Play-off-Teilnahme den verdienten Lohn für eine insgesamt gute Runde, die so nicht unbedingt zu erwarten war, abholen würden, dürfte unbestritten sein. Ob sie es denn auch schaffen - nach den kommenden zwei Spielen werden die SC-Fans wissen, ob sie wirklich zittern müssen oder sich vielleicht schon riesig darauf freuen können. Zusätzlich Hoffnung macht auch Justin Kelly. Ein Einsatz in den letzten zwei, drei Spielen der Doppelrunde ist nicht mehr unwahrscheinlich. Allerdings wäre es für die Nerven gut, die Steelers hätten bis dahin die Play-offs schon in der Tasche.
VON ANDREAS KLEINERT
Quelle: Bietigheimer Zeitung

