Alternativ soll eine weitere Halle mit Mehrzwecknutzung geplant werden
In der neuen Eishalle werden keine Messen oder Konzerte möglich sein. Das Brandschutzkonzept, so heißt es in einer bislang nichtöffentlichen Unterlage, lasse entsprechende Aufbauten nicht zu.

Der Bau der Eishalle in Bietigheim-Bissingen schreitet voran - und diese soll ausschließlich dem Eishockeysport dienen. Fotos: Martin Kalb/Archiv
In den Reihen des Gemeinderates rumort es mächtig. Aus einer Unterlage für den heute tagenden Technischen Ausschuss (TA), die nicht für den öffentlichen Sitzungsteil vorgesehen ist, aber unserer Redaktion vorliegt, geht hervor, dass die neue Eishalle allein für den Eissport der Steelers konzipiert ist. Dies schließe eine andere Nutzung wie Messen, Konzerte, Tanzveranstaltungen und große Versammlungen aus.
Die Reduzierung auf eine reine Eishalle erfolge aus Kosten-, Kapazitäts- und bautechnischen Gründen, andere Veranstaltungen als Eissport lasse das Brandschutzkonzept nicht zu, so die Begründung.
Dass alles, so die Kritik quer aus alle Fraktionen, habe sich vor dem Bau der Eishalle noch ganz anders angehört. Tatsächlich wird in einem zwölfseitigen Prospekt, das für eine Bürgerversammlung in der Sporthalle am 7. April 2011 aufgelegt wurde, der Neubau noch als "Eis- und Ballsporthalle" beschrieben. In einer neuen Halle, so ist dort weiter zu lesen, würden nicht nur alle Belange des Eissports abgedeckt, dank eines variablen Bodens könnten auch die Spitzenspiele der Handballer sowie andere Ballsportarten eine Heimat finden - "genauso wie Messen, Konzerte und ähnliche Veranstaltungen", hieß es damals.
Dieser Schwenk, weg von einer Eis- und Ballsporthalle mit Mehrzwecknutzung hin zu einer reinen Eissporthalle, wird in den Fraktionen inzwischen mit großem Unmut aufgenommen.
Da das Thema bislang noch nicht auf der öffentlichen Tagesordnung steht, will allerdings kein Gemeinderat öffentlich Stellung beziehen. Auf Nachfragen wird jedoch auf Widersprüche hingewiesen, die man im Gemeinderat aufklären müsse. Es gebe "erheblichen Diskussionsbedarf" im Gremium, so die übereinstimmende Meinung.
Diskussionsbedarf wird es vor allem über den Beschlussantrag der Verwaltung geben: Als Alternative werden in der nichtöffentlichen Unterlage, die heute im TA hinter verschlossenen Türen vorberaten und dann in der Gemeinderatssitzung am 22. Mai öffentlich beraten werden soll, Planungen für eine zweite, teilbare Halle mit 2250 Plätzen vorgeschlagen, die man in einer erweiterten Planungs-Variante neben dem Ballsport auch für andere Zwecke nutzen will. Als Standort wird eine Fläche nördlich der neuen Eishalle vorgeschlagen, weil dort bereits ein Baurecht vorhanden ist.
Als Standortalternative gibt es noch die Freifläche am Fischerpfad, gegen den, so die Verwaltung, zwei Gründe sprechen: Nötig wäre dort noch ein Grunderwerb, auch wäre der Neubau auf der großen Freifläche städtebaulich kaum eingebunden. Die Fläche der neuen Halle neben der Eishalle soll 45 mal 27 Meter betragen und den Anforderungen der Handballbundesliga entsprechen.
Auf ein "Bewegungszentrum", wie vom TSV ursprünglich gewünscht, wird verzichtet. Deshalb wird mit einer Bruttogeschossfläche von 5500 Quadratmetern und Nettokosten in Höhe von 9,1 Millionen Euro kalkuliert. Diese, von der Stadt aufzubringenden Kosten, beziehen sich allerdings auf eine reine Ballsporthalle, die ausschließlich für Sportveranstaltungen dient.
Um diese Halle aber für Messen und größere Veranstaltungen multifunktional nutzen zu können, werden weitere zwei Millionen Euro für den Brandschutz, Fluchtwege und die Haustechnik nötig. Eine spätere Nachrüstung würde noch höhere Kosten auslösen.
Aus diesem Grund will man Pläne für eine reine Ballsporthalle als auch eine Halle mit Mehrzwecknutzung. Zwei Entwürfe, die ein Teilnahmewettbewerb mit anschließendem Planungswettbewerb zu Tage fördern soll.
Aber auch daran reibt sich Kritik aus dem Ratsgremium. Eine solche Halle sei für größere Veranstaltungen viel zu klein.
Redaktion: JÖRG PALITZSCH
Quelle: www.bieitigheimer-zeitung.de

