Steelers haben im Vergleich zu den Füchsen klare Vorteile
Die Bietigheim Steelers gewinnen die Viertelfinal-Serie gegen die Lausitzer Füchse mit 4:2. So ein Ergebnis kommt zumindest bei unserem Leistungscheck heraus. Wir haben beide Mannschaften positionsbezogen unter die Lupe genommen.
Steelers-Goalie Jochen Vollmer und sein Füchse-Kollege Jonathan Boutin sind bei ihren Klubs die Publikumslieblinge. Im Ranking der Stammkeeper stehen sie aber nach der Hauptrunde nur auf den Plätzen elf und zwölf, was die durchschnittliche Anzahl von Gegentoren angeht: Vollmer musste bei seinen Einsätzen im Schnitt 2,64 Mal hinter sich greifen, Boutin 2,77 Mal. Auch bei den Shutouts steht der Bietigheimer (3) etwas besser da als sein Gegenüber aus Weißwasser (1).
In der DEL-Saison 2010/2011 bildete "Joey" Vollmer beim EHC München mit Sebastian Elwing das Torhütergespann. Bemerkenswert sind seine Reflexe, mit denen er immer wieder selbst hochkarätige Chancen des Gegners zunichte macht. Der 1,88 Meter große und 97 Kilogramm schwere Boutin zählt ebenfalls zu den besten Goalies der Zweiten Liga. 2009/2010 und 2011/2012 wurde der Kanadier vom Fachblatt "Eishockey News" sogar jeweils als Torhüter des Jahres ausgezeichnet.
Mit dem nachträglich verpflichteten Mathias Lange haben die Steelers einen erfahrenen Backup in der Hinterhand. Hinzu kommt mit dem 21-jährigen Andreas Mechel ein großes Talent, das bei seinen sechs Einsätzen überzeugt hat. Bei den Füchsen ist der Ex-Bietigheimer Dustin Strahlmeier (Gegentorschnitt: 4,26) die Nummer zwei.
Unentschieden, 1:1.Die Lausitzer Füchse leben vom Kampf und haben ihre Stärke in der Defensive. Die Mannschaft steht hinten kompakt, verteidigt mit viel Leidenschaft und lässt nur wenige Chancen zu. In der abgelaufenen Hauptrunde kassierten die Sachsen dennoch 155 Gegentore. Nur drei Vereine - der SC Riessersee (158), der ESV Kaufbeuren (169) und die Eispiraten Crimmitschau (182) - waren noch schlechter. Der spielstarke SCB sucht sein Heil dagegen vornehmlich in der Offensive und vernachlässigt dafür mitunter die Abwehrarbeit. Bei den Steelers klingelte es 135 Mal im eigenen Kasten. Gleich fünf Vereine haben weniger Treffer einstecken müssen als der Hauptrundensieger.
Steven Tarasuk ist beim ES Weißwasser der auffälligste Verteidiger. Der 23-jährige Kanadier setzt auch im Angriff Akzente, wie seine 32 Scorerpunkte (zehn Tore, 22 Vorlagen) belegen. Dieselbe Ausbeute steht in der Saisonbilanz bei seinem Landsmann Doug Andress. Der 33 Jahre alte Routinier ist mit sechs Treffern und 26 Assists Bietigheims punktbester Verteidiger.
Vorteil Weißwasser, 1:2.Die Bietigheimer Offensive ist das Beste, was die Zweite Liga zu bieten hat. Der SCB hat die mit Abstand meisten Tore erzielt und ist für sein schnelles Power-Eishockey berüchtigt. Mit Kapitän Marcel Rodman (67 Scorerpunkte), Paul John Fenton (62) und Robin Just (55) stehen gleich drei Steelers-Stürmer nach der Hauptrunde unter den Top fünf der Scorerliste. Wäre David Rodman nicht wegen seiner Verletzung und zuletzt einer Grippe wochenlang ausgefallen, dann hätte auch er unter den Topscorern sicher einen Spitzenplatz eingenommen. Obwohl der slowenische Nationalspieler nur bei 29 Hauptrundenpartien für die Steelers auflief, kam er noch auf stattliche 45 Zähler (zwölf Tore, 33 Assists). Das Bietigheimer Prunkstück ist der erste Sturm mit den Rodman-Brüdern. Aber auch die beiden anderen Reihen sind jederzeit für Tore gut und können ein Spiel allein entscheiden, was den SCB für den Gegner extrem unberechenbar macht.
Bei den Füchsen ist der Kanadier Matt McKnight der beste Angreifer. Seine 15 Treffer und 40 Vorlagen in 40 Spielen haben ihm in der Scorerliste Rang fünf eingebracht. Gemeinsam mit dem Deutsch-Kanadier Kevin Lavallee und dem Schweden Christoffer Kjärgaard bildet er einen brandgefährlichen ersten Sturm. Auch die zweite Reihe mit dem Tschechen Pavel Vostrak, Richard Mueller und Markus Lehnigk hat es in sich. Dahinter ebbt die Offensivkraft beim ES Weißwasser aber deutlich ab.
Vorteil Bietigheim, 2:2.
Die Steelers haben das beste Überzahlspiel der Liga. Die Erfolgsquote liegt bei knapp 25,7 Prozent, sprich: Bei jedem vierten Powerplay fällt ein Bietigheimer Tor. Die Füchse belegen mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 17,5 Prozent in der Überzahl-Statistik nur einen Mittelfeldplatz. Bei eigenem Powerplay hat der SCB wie Schwenningen nur zwei Tore kassiert, was ebenfalls ein Topwert ist. Bei den Sachsen waren es dagegen fünf Gegentreffer in Überzahl. In Unterzahl schneiden beide Mannschaften ähnlich ab: Bietigheim verhindert in 82,5 Prozent der Fälle ein Gegentor, Weißwasser in 81,1 Prozent. Mit drei Treffern in Unterzahl sind die Schwaben ebenfalls etwas besser als Weißwasser (2).
Vorteil Bietigheim, 3:2.SCB-Trainer Kevin Gaudet ist der Architekt der Bietigheimer Erfolgsmannschaft. Mit dem gleichen Etat wie in der Vorsaison hat der Kanadier aus einem Abstiegskandidaten ein Spitzenteam gemacht. Seine Neuverpflichtungen waren fast alle Volltreffer. Gaudet gilt als akribischer Arbeiter. Er fordert viel von seinen Spielern und versteht es, die Mannschaft zu motivieren und einzustellen. Sein Kollege Dirk Rohrbach ist seit der Saison 2009/2010 Coach bei den Füchsen und kennt die Verhältnisse in Weißwasser als langjähriger Profi dort wie kaum ein anderer. Mit bescheidenen Mitteln hat er erneut eine funktionierende Einheit geformt. Wie Gaudet hatte auch Rohrbach bei den Ausländern ein gutes Händchen. Dass der Verein nun zum dritten Mal unter seiner Regie den Sprung in die Playoffs geschafft hat, ist ein beachtlicher Erfolg.
Vorteil Bietigheim, 4:2.Autor: ANDREAS EBERLE | 20.03.2013
Quelle:
www.bietigheimer-zeitung.de