Frostige Zeiten für die Steelers-Puckjäger
Artikel aus der Strohgäu Extra vom 06.11.2009
Eishockey Nach dem 0:1 bei Schlusslicht Freiburger Wölfe kündigt Trainer Brittig ein Ende der "Schönspielerei" an. Von Daniel Renkonen
Am liebsten hätten sich die Puckjäger der Bietigheim Steelers am vergangenen Sonntag wohl im Bus versteckt. So unglaublich war die 0:1-Pleite beim aufopferungsvoll kämpfenden Tabellenschlusslicht EHC Freiburg.
Nur zwei Tage nach dem überzeugenden 4:1-Derbysieg beim Lokalrivalen Heilbronner Falken blamierten sich die Schwaben im Breisgau bis auf die Knochen. Trotz einer Sturm- und Drangphase im dritten Durchgang blieb das Tor der Gastgeber wie vernagelt. Der Zweitligameister agierte streckenweise auffallend kopflos, was den ehrgeizigen Trainer Christian Brittig nach der Begegnung auf die Palme brachte. "So viele Torchancen dürfen wir einfach nicht auslassen."
Was in Heilbronn noch wie am Schnürchen klappte, schien in Freiburg plötzlich wie weggeblasen. Und genau das ist das große Problem der Steelers anno 2009. Dem Meister der vergangenen Saison fehlt die Konstanz und Kaltschnäuzigkeit der Vorsaison. Außerdem wird der verletzte Torjäger Brent Walton immer schmerzlicher vermisst, weil er das gemacht hat, was Brittig seit Wochen gebetsmühlenartig fordert: "In den Ecken kämpfen und die Scheibe vor das Tor bringen." Statt dessen hat der knorrige Niederbayer zu viele "Schönspieler" in seiner Mannschaft ausgemacht.
Dazu zählt allen voran der überragende Techniker Justin Kelly, dessen Sololäufe mitunter die eigenen Mitspieler überfordern. Auch in Freiburg tanzte der Kanadier wie ein Eiskunstläufer durch die gegnerischen Abwehrreihen, ohne die Hartgummischeibe im Kasten unterzubringen. Das strapaziert die Geduld seines Trainers: "Das sieht alles so toll aus, bringt aber nichts", fauchte der Coach. Der amerikanische Neuzugang Tommy Goebel hat dagegen noch eine Schonfrist bekommen, wenngleich dem Außenstürmer derzeit jegliche Bindung zum Spiel fehlt. "Der fährt momentan kreuz und quer in der Gegend herum", hadert Bietigheims Trainer.
Auch Stürmer Gregory Schmidt bleibt ein Sorgenkind. Seine Ladehemmung vor dem Tor bringt die Verantwortlichen langsam aber sicher zum Verzweifeln. "Der Gregory traut sich vor dem Tor fast gar nichts mehr zu und muss einfach mehr nachsetzen" (Brittig).
Das gilt auch für andere Akteure, deren Formkurve noch zu schwankend ist. Der Steelers-Coach will seinen Kufencracks daher zusätzliche Eiszeiten verordnen. "Wir werden in den nächsten Tagen sehr viel und hart trainieren." Möglicherweise gehe es dem einen oder anderen zu gut.
Bei aller Kritik lässt der gebürtige Landshuter aber nichts über die Einstellung seiner Schützlinge kommen: "Die kämpfen hier teilweise um ihre Existenz und geben alles für den Verein." Von Motivationsproblemen, so der Coach, könne überhaupt keine Rede sein. "Wer das behauptet, will uns schaden", weist Brittig mögliche Vorwürfe empört zurück.
Auch außerhalb der Eisfläche schlagen die Wogen in Bietigheim hoch. Der Verein hat wegen der "untragbaren Zustände" in der Eishalle Ellental eine Unterschriftenaktion gestartet, die Stadt und Gemeinderat überreicht werden soll. "Der ersten Mannschaft und unserer Jugend fehlt sportlich dadurch jegliche Perspektive", ließ Präsident Hans-Günther Neumann verkünden.
Besonders hart trifft dies den Steelers-Nachwuchs. So müssen die Jugendlichen wegen fehlender Eisflächen teilweise bis spätabends um 23 Uhr trainieren. Zu allem Überfluss müssen die jungen Spieler zum Umziehen teilweise durch die Halle in den Außenbereich marschieren. Dieser Zustand sei nicht mehr länger hinnehmbar.
Das finden auch immer mehr Zuschauer. Nach Angaben von Pressesprecher Oliver Mayer haben sich bereits weit über 1000 Bürger in die Unterschriftenlisten eingetragen.
Quelle: www.stuttgarter-zeitung.de

